Der Mann ohne Fernsehen

Glaubt da ein perfider Schnüffler herausgetüftelt zu haben, ein bestimmter Mieter in Block A14 müsse ein Schwarzseher sein, weil er die Fernsehgebühr nicht entrichtet habe! Da nicht sein darf, dass Väterchen Staat um einen Obolus geprellt wird, nimmt sich der Hausven/valter der Sache an und stellt fest, dass es sich beim fraglichen Mieter um einen alleinstehenden und unbescholtenen Mann handelt. Indem er die benachbar- ten Mieter, auch jene unter und über der Wohnung des Verdächtigen, ins Vertrauen zieht, hofft er, jenen zur Zeit der höchsten Einschaltquote vor dem Empfänger zu überführen. Vergeblich warten sie nach Einbruch der Dunkelheit auf den bläulichen Schimmer hinter den Gardinen, nutzlos pressen sie das Ohr an die Wand — in der kleinen Wohnung bleibt es still. Sie vernehmen nur die Schritte des Mannes, der rastlos auf und ab geht. Sollte dieser am Ende Uberhaupt keinen Fernseher an Betrieb halten und, statt vor dem Apparat zu sitzen und slch das offizielle Programm zu Gemüte zu fuhren, stundenlang durch Korridor und Zimmer marschieren und ein Liedlein dabei pfeifen? Da muss etwas dahinterstecken; eln solcher Mensch, der denkt sich doch etwas dabei, der führt etwas lm Schilde, oder nlcht?

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Der Hausverwalter meldet den delikaten Fall dem Quartierkommissar. Eines Abends, gerade als sich der Mann ohne Fernsehen eln harmloses Süppchen kocht, klopft es an die Tür. Nicht wenig erschrocken lässt der gute Mann den unerwarteten Besucher eintreten. Der Kommlssar geht ein paarmal in der Wohnung auf und ab, besieht sich dies und jenes, sagt dann: Hm! Mit einem Wink bedeutet er dem Mann, Sich zu setzen; nachdem er sich selbst mitsamt dem Mantel auf dle Tischkante geschubst hat. beginnt er mit den Flngern aufs Holz zu klopfen. — Weshalb er nicht fernsehe, fragt er schliesslich.

Der Befragte, glücklich, dass sich der Besuch nicht schlimm anzulassen scheint, gibt gefllssentlich Auskunft: Sie müssen wissen, Herr Kommissar, mir genügt, was ich mit eigenen Augen und Ohren sehe und höre.» — Ob er sich nicht langweile, wenn er nicht erfahre was auf der Welt vorgehe. “Was auf der Welt vorgeht, wie es um sie bestellt lst – das erfahre ich tagsueber zur Genüge. Am Abend will ich melne Ruhe haben.» Der Kommissar laesst nicht locker und will wissen, warum er immer in der Wohnung hin und her gehe. <<Ich – ich meditiere einfach vor mich hln, warum die Welt so und nlcht anders eingerichtet ist.»

Jetzt hat der Kommissar den andern dort, wo er ihn haben will. <<Die Welt anders einrichten? Also nicht einverstanden mit dem, was wir dir bieten? Du sinnst darüber nach, wie es anders werden soll? „Leute wie Du“ hier schlägt der Kommissar mit der Faust auf den Tisch „das lassen wir gar nicht aufkommen!“ Der Mann ohne Fernsehen ist zu Tode erschrocken und wehrt sich auch nicht als sie ihn holen kommen. Er sieht, wie die Leute aus Fenstern und Türspalt gucken und sagen „Mit eigenen Ohren und Augen, da hat er es!“

Bei der Polizei wird der Mann ohne Fernsehen ausgiebig ins Verhör genommen. Seine hintergründigen Argumente bestärken die Behorde darin, emem gefährlichen Burschen auf die Spur gekommen zu sein, so dass er vom Staatsanwalt persönlich vernommen wird. <<Mit Leuten wie dir machen wir kurzen Prozess. Es ist am besten für dich, wenn du gleich alles gestehst. Der Mann ohne Fernsehen bleibt stumm, es hat ihm die Sprache verschlagen.

Als er vor den Richtern steht, entwirft der Staatsanwalt ein düsteres Bild des Angeklagten Sein ganzes Sinnen und Denken ziele darauf hin, d|e Verhältnisse zu ändern. Er sei umso gefährlicher, als er sich weigere, die Namen der Gleichgesinnten aus dem Untergrund herauszugeben. „Ein solcher Schädling muss ausgemerzt werden“, befindet die Anklage. Der Mann ohne Fernsehen begreift allmählich, dass es ihm an den Kragen geht. Nach seinem letzten Wunsch befragt, äussert er die Bitte, wenn er schon sterben müsse, dann solle seine Hinrichtung am Bildschirm im ganzen Land zu sehen sein.

Dieser seltsame Wunsch macht die Richter besorgt und ratlos. Sie befinden, die Entscheidung darueber muesse an oberster Stelle getroffen werden. So beschaeftigt sich zuletzt der gefuerchtete Maechtige mit dem Mann ohne Fernsehen. Er studiert die Akten und zitiert ihn zu sich. “Du bist der abgefeimteste Bursche, der uns vorgekommen ist. Meinst du, wir wuessten nicht, worauf du es mit deinem letzten Wunsch abgesehen hast? Mit eigenen Augen und Ohren! Das würde dir so passen, dass Hinz und Kunz zu denken beginnen“

Plötzlich setzt der Gewaltige eine freundliche Miene auf und sagt leise: <<Es gibt einen Weg, wie du deinen Kopf retten kannst.» – <<Welchen?» fragt der Mann ohne Fernsehen, <<Wir machen dir einen grossen Prozess. Wir werden dich dazu verurteilen, einen Empfänger in deine Wohnung zu stellen und fernzusehen. Du erklärst dich schuldig, bereust und nimmst das Urteil an. Dann wirst du im Fernsehen: die Leute sollen sehen, dass du vor dem Kasten sitzst und die Knöpfe betätigst. Dann lassen wir dich laufen.“ Der Mann ohne Fernsehen überlegt nicht lange. Er ist ein Mensch wie du und ich und möchte leben. <<Gut», sagt er, <<ich werde tun, was man von mir verlangt.» Auf diese Weise ist der Mann ohne Fernsehen davongekommen. Als seine Nachbarn ihn auf der flimmernden Scheibe vor dem Empfänger sitzen sehen, rufen sie zufrieden: “Was helfen die eigenen Augen und Ohren, wenn es den Kopf kostet?“

Aber niemand weiss, dass der Mann dabei die Augen geschlossen hält, dass er Wachs in die Ohren gestopft hat, um in Ruhe darüber nachzudenken, warum die Welt so eingerichtet ist und nicht anders.

ARMIN SCHIBLER

(aus dem Deutschlehrbuch „Verstehen Reden Schreiben“)

 

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Logopädinnen warnen vor Smartphones

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Zuger Zeitung von heute: Die Forscher kamen zum Schluss, dass 70 Prozent der Kinder im Kita -Alter das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich benutzen!

Von Fütter- und Einschlafstörungen bei Babys über Sprachentwicklungsstörungen und Konzentrationsstörungen ist die Rede.

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Monika Minar … erzählt beispielsweise von einem Kind, das in einem Buch nicht die Seite umblättert, sondern die für Smartphones und Tablets typische Wischbewegung macht. Oder von einem anderen, das mit dem Finger auf Memory- Kärtchen tippt – anstatt sie umzudrehen . «Viele Kinder werden mit dem Smartphone ruhiggestellt»

Spiele oder Lernprogramme auf Tablets und Smartphones würden oft die Sprache ausser Acht lassen oder sie nur am Rande fördern. «In der Regel braucht das Kind nur einen einzigen Finger», erklärt Minar .

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Die emotionale Bindung kommt zu kurz Doch es kann auch negative Folgen haben, wenn die Eltern als Vorbilder und Ansprechpersonen häufig mit digitalen Medien beschäftigt sind. «Die Mutter oder der Vater sind zwar anwesend , weil sie aber durch das Handy abgelenkt sind, kommt die emotionale Bindung oft zu kurz», erklärt Brigitte Eisner-Binkert, die seit 1988 in der Heilpädagogischen Früherziehung – also mit Kindern im Alter bis zu sechs Jahren – arbeitet. Diese Bindung sei wichtig für die früh kindliche Entwicklung , etwa im Bereich der Sprache od er der Denkentwicklung , aber auch was Vertrauen und die Orientierung im Alltag angehe. «Der Stellenwert des Kindes ist schlicht anders, wenn das Smartphone daneben die ganze Zeit piept» , sagt Eisner-Binkert. Ein Beispiel, wirft Monika Minar ein , habe sie auf einem Spielplatz beobachtet: «Eine junge Mutter fotografiert ihr Kind mit dem Handy , um die Bilder danach auf Facebook zu posten –anstatt die Schaukel anzustossen, auf der das Kind sitzt .»

Eikamp ist der Meinung, dass Kinder unter drei Jahren kein Smartphone als Spielzeug brauchen. Die Medizinerin erlebt tagtäglich, wie Smartphones den Alltag von Kindern verändern . «Es ist nahe zu bizarr , dass man heutzutage teilweise zwei- oder dreijährige Kind er untersucht, die den Arzt gar nicht wahrnehmen , da sie die ganze Zeit einen Film auf dem Smartphone schauen.»

 

 

 

 

VR wird überschätzt

ich habe Virtual Reality bereits Mitte 90er ausprobiert! Damals gab es bereits Versuche, dieses populär zu machen. Jetzt kommt mit Oculus Rift & Co. wieder die VR-Welle.

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Aktuelle Geräte habe ich noch nicht ausprobiert, plane aber, dies bald in einem VR Raum zu tun, von denen es bereits mindestens 3 gibt in der Schweiz. Was ich bisher in jüngerer Zeit ausprobiert habe, ist das bereits recht eindrückliche Kartonbrillen-VR mit dem geliehenen Iphone von jemanden (meine eigenen Natels haben kein Gyroskop)

Weshalb wird VR sich dennoch nicht durchsetzen?

Auf Auktionsplattformen stossen Leute aber bereits ihre Oculus Rift für 150.– ab und sagen „sie liegt nur rum“

Das Problem ist: Die Faszination des Gamens liegt auch in der federleichten Körperlosigkeit. VR-Brillen & -Handschuhe erhöhen diese nicht.

Bei einem normalen Egoshooter bewege ich den Kopf mit einer unmerklichen Mausbewegung. In VR muss ich herumhampeln.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass in 10 Jahren die Leute statt fern zu sehen sich jeden Abend so eine Brille überstülpen, denn damit eine Technik sich durchsetzt muss sie unaufdringlich sein. Wie ein wenige Milimeter dünnes Smartphone, das nicht aufliegt.

Als Autos noch nicht so verbreitet waren, waren sie umständlich: Kurbeln, dauernd etwas flicken. Laut Prof. Harald Welzer sagten damals die Hersteller: Das gehört zur Sportlichkeit, der Autofahrer will das.

Aber damit was sich breit durchsetzt, muss die Technik sich unterordnen. Natürlich beherrscht umgekehrt im Endeffekt dann doch das unterwürfige Iphone den Nutzer. Darum ein Hoch auf die umständliche Technik!

 

 

der Bitcoin geht bachab

Bitcoin behrrscht Zug, in meiner Nachbarschaft konnte ich Südkorenische EDV-Experten beobachten, die eingeflogen wurden, und seit mehr als einem Monat in meiner Nähe wohnen. Es ist in aller Munde. Aber das ist zugleich das Warnzeichen, dass das Platzen nahe ist. Wenn jeder davon spricht, ist es bereits zu spät zum profitieren. Auch Moden sind ja vorbei, sobald Du Fidgetspinner im Volg kaufen kannst.

Es kristallisiert sich für mich immer klarer raus, dass das ganze an die Wand fährt. Anzeichen: Vom normalen Bitcoin haben sich bereits im August (ich Hinterwäldler erfuhr das erst jetzt) „Forks“ gebildet, also Abspaltungen.

„Bitcoin Cash“ und „Bitcoin Gold“, diese unterscheiden sich in technischen Einzelheiten, unter anderem soll Bitcoin Gold das massenhafte Minen in Bitcoin-Minen besser verhindern können, sodass eher die Nutzer, die es selber brauchen, mit ihren PCs die Rechenarbeit erledigen. Und nicht irgendwelche Profis, die nur Reibach machen wollen. Deren spezialisierte Geräte („Miner“) sollen ausgeschlossen werden können, und normalen CPUs und GPUs (Grafikkarten) der Vorrang gegeben werden.

Soweit ich das alles verstanden habe beim Einlesen, sonst korrigiert mich bitte. Jedenfalls sind diese Bitcoin-Varianten höchstwahrscheinlich nicht richtig kompatibel zueinander.

Wenn die Welt einsieht, dass das ineffiziente Ur-Bitcoin zu viel Strom frisst, und sich stattdessen ein „Bitcoin Nr 2“ als reales Zahlungsmittel durchsetzt, dann wird „Bitcoin Nr. 1“ auch das Spekulationsobjekt im Niedergang begriffen sein.

Und wer nimmt dann die Ur-Bitcoin zurück? Wer tauscht Bitcoin 1 gegen Bitcoin 2? Irgendwer bleibt am Schluss auf den faulen Bitcoin sitzen.

Es gibt soviele dieser Crpytowährungen, weshalb sollte sich dann ausgerechnet die älteste durchsetzen?

Die Stadt Zug akzeptiert (im Moment noch) Bitcoin. Was sie dir nicht sagen: Jeder erhaltene Bitcoin wird sofort in Schweizerfranken zurückgetauscht.

Glaubt die Stadt etwa selber nicht an die Cryptowährung, die sie postuliert?

Der Stromverbrauch der Bitcoins soll gewaltig sein, siehe Artikel in der Sonntagszeitung

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In dem Artikel sagt der Informatikprofessor Prof. Dr. Roger Wattenhofer vom Deptartement Informationstechnik und Elektrotechnik der ETH Zürich, dass Bitcoin ineffizient programmiert sei, und dass dies ein vermeidbarer Fehler gewesen wäre. „Die Person, die Bitcoin erfunden hat, war offenbar nicht in meiner Vorlesung“

Was mich persönlich ein Jammer dünkt sind auch die zigtausenden von „Miner“-Geräten, die bestimmt eher früher als später auf dem Elektroschrott landen werden. Diese Geräte sind einzig für das Minen gemacht, man kann sie sonst praktisch für nichts brauchen.

Frank Thelen aus der „Höhle der Löwen“ – ansonsten ein Technikjubler – bedauert auch den Stromfresser-Fehler in Bitcoin (obwohl er vom Prinzip her an Cryptowährungen glaubt). „Wir befinden uns also in einer Energie-Verschwendungs-Spirale, solange der Preis durch Spekulation hochgetrieben wird.“

Digidiotisierung der Menschheit

zuckerberg.jpgEs gibt Steinerschulen / Waldorfschulen im Sillicon Valley, und diese werden nicht zuletzt von Kindern höherer EDV-Techniker oder -Firmenchefs besucht: Ganz analoge Schulen! Währenddessen erzählt man uns Ottonormalverbrauchern: Es sei wichtig, dass Kinder möglichst früh Tablets haben an Schulen. Sowohl Microsoft als auch Apple verschenken Ausrüstung, damit die Kinder sich früh an ihre Oberfläche gewöhnen.

Vor ein paar Jahren gab es einen Infostand auf der Herbstmesse (Zugermesse) über Internetsucht. Es hiess damals, soweit ich mich erinnere: dass man spätestens ab eineinhalb Stunden Internet pro Tag süchtig sei! 2004 wechselten die meisten von Internet über Telefon/ISDN hin zu ADSL und schwante mir, dass das nicht nur gut sein würde punkto Suchtpotential. Früher musste man sich bewusst einwählen. Heute ist der Router sozusagen permanent verbunden, mit Pauschaltarif („Flatrate“ ist die Regel). Es ist schwierig die Balance zu halten zwischen übermässigem Konsum und vernünftiger Nutzung.

Besonders Youtube: Wenn man den TV rauswirft und Internet in jedem Fall für klüger hält… schlussendlich aber wahllos die dümmsten Videos auf Youtube anschaut, wo irgendwelche Leute rumblödeln, bibiotdische Videos. Dann ist man auch nicht weiter, das ist genauso Volksverblödung wie TV. Meine Devise ist möglichst bewusste Nutzung. Nicht einfach vor dem Youtube sitzen, nur weil man grad nichts besseres zu tun hat. Nicht jedes Clickbaitvideo anklicken, nur weil „100’000’000 andere es schon gesehen haben“, und es „dich auch interessieren könnte“, wie eine Bowlingkugel von einer hydraulischen Presse zerquetscht wird, oder jemand sich selber eine Torte ins Gesicht drückt.