mein Weg zum Infokrieger

Ich hielt Chemtrails einst für Humbug, für „noch unglaublicher“ als die 9/11-„Verschwörungstheorien“, und kam recht spät auf das Thema. Ich war ein Zweifler (eigentlich hatte ich vorher schon eine Phase, wo ich oberflächlich an die 23-Verschwörung glaubte. Der auf wahren Tatsachen beruhende deutsche Film 23 (nicht zu verwechseln mit Jim Carreys „23“) ist gut, aber das Buch Illuminatus von Playboy-Autor Robert Anton Wilson ist Mist.

Als ich hingegen beim wirren Buch merkte, dass diese nur literarisch ist und keine Grundlage hat (Das Buch Illuminatus ist nicht die Buchvorlage des Films 23, sondern kommt nur im Film vor. Karl Koch liest es. Eine eigentliche Buchverfilmung gibt es nicht, soweit ich weiss), da schlug ich deswegen in die andere Richtung aus und hielt gleich alle „Verschwörungstheorien“ für haltlos.) Ich hatte keine Lehrstelle gefunden und so, wollte mein Leben in den Griff kriegen. „Esoterik“ hätte mich bisher nur weiter vom Weg abgebracht, dachte ich. Arrogant subsummierte ich alles unter dem Begriff Esoterik.

Ich war fortan fast ein bisschen wie Knackeboul, das sachliche Interesse am Thema blieb zwar, aber nur um darüber erhaben Kopf schütteln zu können: ich betrachtete alles in der Art eines psychologisierenden Zweiflers, der einfach zu allem schlichtweg sagt: „Das ist nur eine Projektion“ Diese Hochnäsigkeit hatte ich. Der wahre Skandal an einer Verschwörungstheorie war in Wirklichkeit: „Hoppla, da hat sich einer zum Thema Fleischkonsum mehr überlegt als ich“ > „Das kann doch nicht sein, dass einer tiefere Gedankengänge hat als ich“ > „Ich muss irgendein Detail finden, an dem ich den Autor aufhängen kann“ > „ah da: zusammengepfercht, Bahnwaggon, das ist doch eindeutig eine Karrikatur des Holocaust <Fall abgeschlossen>“ Oder: Soja ist Chemie PUNKT. Es muss Chemie sein, klingt künstlich. Hodenbaden – lächerlich! Verhütung muss richtig chemisch sein, sonst wird das nichts. Es muss mindestens im Trinkwasser nachweisbar sein, dass es wirkt. Aber Alu im selben Trinkwasser, darüber sieht man hinweg…

 

Akte auf –  Stempel: „QUERFRONT“ – Akte zu

Allerdings muss man sagen, das war in meiner depressiven Zeit, wo mir die Welt eh egal war. Ich war auch geprägt von Hugo Stamm dem Naivitäts-Prediger, dessen Bücher mich mehr wegen den Sekten faszinierten, die er beschrieb, als wegen seiner Meinung. (Im Prinzip profitiert Stamm von der Kreativität dieser Sekten, lebt von ihnen als Trittbrettfahrer, weil er selber als Autor keine Fantasie hätte.)

Alles nur Projektionen?

Also dieses herunterspielende Psychologisieren von Problemen ging bei mir so weit, dass ich mir sagte, dass der Feinstaub, über dessen erhöhtes Vorkommen in den Nachrichten geklagt wurde, nur eine Projektion sei, die Leute würden Jammern um des Jammerns willen. Was natürlich nicht stimmt, aber ich hatte einfach das Dauerthema „Feinstaub“ satt. In Wirklichkeit würden die Leute „unter der Existenz leiden“. (Ich hatte nämlich den atheistischen Existentialisten Camus gelesen, der mir als der Gipfel der Weisheit erschien.) Nur weil ich selber depressiv war und unter der Existenz litt, übertrug ich das auf alle andern.

Von 9/11 dachte ich: Die Leute wollen Skandale, Sensationen (logisch: um sich von der Monotonität der Existenz abzulenken). Jeder will ein Insider sein. Es gab tatsächlich eine Zeit, wo Truther-Meinungen im Bekanntenkreis recht verbreitet waren.

Da gab es tatsächlich Leute, die – ohne sich tiefer mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben – in ein Gespräch über den Irakkrieg einwarfen: „Hast Du gehört, dieser Osama ist ja nur ein Doppelgänger“ (nur um ein Gespräch in Gang zu bringen) oder: „Bin Laden gibt es gar nicht“. Und wenn man nachgefragt hätte, was sie meinen, hätten sies nicht erklären können.

Das nervte mich damals, und vielleicht war es darum, dass ich alles für Humbug hielt, weil vieles oberflächlich nachgeplappert wurde. Auf jedem Bahnperron sah man mindestens 1 Person, die das Buch von Michael Moore las, der höchstens den Gestus eines Truthers hat. Heute würde ich mich über mehr Leute freuen, mit denen man über so etwas diskutieren kann. Und damals verwehrte ich mich der Sache.

 

Spin treibt uns ins Unpolitische

Es ist erschreckend, wie sehr Smartphones, Konsum, hohle Kultur und falscher Individualismus weiter grassierten. Heute interessiert sich fast keiner mehr für Imperialismus, keiner durchschaut es. Oder zumindest findet keine richtige Diskussion mehr statt. Es ist auch bei den Linksparteien kaum mehr Thema. Lieber als mit dem Krieg setzt man sich mit Frauen- und Transenrechten auseinander.

Damals, als ich nicht diskutierte, lebte ich in einer recht solipsistischen, monokausalen Welt, wo alles auf den atheistischen Existenzialismus hinauslief, der alle Antworten gab. Ich brauchte nichts mehr zu lernen, erst recht nicht über Detailfragen, weil ich diese ja natürlich schon längst kannte, aufgrund der „Ewigen Wiederkehr des Gleichen“, konnte gar nie etwas Neues kommen!

Ich hielt mich für so schlau.

Sicher, man darf und muss sogar eine Sache psychologisch betrachten. Aber nicht nur, um etwas abzutun. Dass etwas nur psychologisch ist, heisst nämlich nicht, dass etwas unwichtig ist. Man darf – muss sogar, versuchen, Dinge zu entzaubern, um einen faulen Zauber zu entfernen. Aber man muss auch anerkennen, wenn ein Zauber echt ist.

Gleichzeitig war ich auf eine Art Chauvinistisch und hatte dümmliche Ansichten zum CO2: „Wo Feuer ist, ist auch Rauch“. Die Welt war mir egal, als ich noch depressiv war, wollte ich manchmal den roten Atom-Knopf drücken. Das Fleisch essen, rechtfertigte ich mir auch irgendwie damit, dass „der Vegetarismus die Welt ja auch nicht besser machen“ würde, und „Wenn alle Vegetarier wären, würde sich das politische System ja doch nicht ändern“. Der Kommunismus wäre die einzige Lösung gewesen, denn dort hätte es keine Zweifel gegeben – nicht mehr denken müssen! Ich grübelte genug, als ich depressiv war.

Bewusstseinserweiterung

Halluzinogene bringen diese nicht, sondern C.G. Jung. Und vor C.G. Jung beeinflusste mich „Zeitgeist“. Wobei es vor allem das Ende von Zeitgeist war, das besser als der ganze etwas unausgegorene Film war, nämlich die Aussagen von  Bill Hicks , George Carlin und vor allem Richard Alpert (alias Baba Ram Dass). Durch diese Sequenz, diese Zitate, die ich mir immer wieder anhörte, begriff ich, dass „ich“ mehr bin als ich selber:

Wir sind in unserer Kultur darauf ausgerichtet, auf individuelle Herausstellungsmerkmale zu achten. Du schaust eine Person an und denkst:Schlauer, dümmer, älter, jünger, ärmer. Und es kommt soweit, dass wir andere nur noch getrennt von uns wahrnehmen. Eine der eindrücklichsten Erlebnisse ist es, mit einer Person zusammen zu sein, und zu merken, wie ähnlich diese einem ist, und dass die Essenz in dir auch die Essenz in mir ist.

Ich bn nicht als Richard Alpert geboren, ich wurde einfach als Mensch geboren. Und dann lernte ich diese ganze Sache: Wer ich bin, gut, böse, erfolgreich oder nicht, das ist alles nach und nach erlernt.

Ich begriff, dass Menschen vor mir lebten und Menschen nach mir lebten. Mein Kopf ist nicht der Mittelpunkt der Welt. Das erscheint dem Depressiven nur so. Vielleicht war ich auch eine Art selbstverliebt. Ich begriff aber, dass ich nur ein kleiner Moment in der Weltgeschichte bin, und dass es dennoch eine Rolle spielt, was ich tue.

Paradoxerweise wurde ich „wirkmächtiger“ dadurch, dass ich begriff, dass ich nicht das Zentrum der Welt bin, sondern nur ein Einzelner: Denn dadurch konnte ich über meine Soziale Rolle aktiv zu werden beginnen. Beispielweise spielt es eine Rolle, an einem Fest zu sagen, dass man Vegetarier ist, und dies auf nachfrage begründen zu können. Die Wahrheit sagen, tun was man sagt, sagen was man tut. Alles, was man tut hat Auswirkungen.

Ich meine, man muss begreifen, dass man nur 24 Stunden pro Tag hat. Ich bin ein normaler Mensch, und das ist Wunder genug. Ich bin kein übernatürliches Wesen oder unsterblicher Vampir, wie man das in der Pubertät denkt. Darum, weil man begrenzte Ressourcen hat, muss man sich festlegen, ein paar nützliche Dinge zu tun, herausfinden, was man gut kann.

Wie heisst es im „Fänger im Roggen“ von Jerome David Salinger :

„Das Kennzeichen des unreifen Menschen ist, daß er für eine Sache nobel sterben will, während der reife Mensch bescheiden für eine Sache leben möchte.“

Ich meine, wenn einer fragt, „Was hast Du dein Leben lang gemacht?“ und Du sagst: „ein paar Artikel in der Arbeitslosenzeitung“, dann ist das doch nicht nichts. Oder mein Blog hier mit einem knappen Dutzend Leser, egal, wenn ich es nur schon einer einzigen Person weitergeben kann, die es wieder weitergibt etc. Und es kann nicht nur Chef, Präsidenten und Lehrer geben auf der Welt, jemand muss auch den Schulbus fahren und in der Mensa kochen. Noam Chomsky sagt ein Taxifahrer kann genauso intellektuell sein wie ein Professor, weil er z.B. vielleicht immer etwas grübelt, während er auf Fahrgäste warten muss.

Und selbst ein Mensch ohne Kinder lebt weiter in seinen Handlungen und Worten, hat Leute geprägt. Er verbreitet sich durch MEME statt durch GENE weiter (Mem-Theorie von Richard Dawkins)

Kinder sind ein gutes Stichwort, das hat mich immer beschäftigt. Als ich depressiv war, habe ich „Mitleid“ mit Kindern gehabt, weil sie in diese schlechte Welt geboren wurden, und das Leben ja „sinnlos“ sei.

Dabei war es nur für mich sinnlos. Weil ich mich dem Leben nicht hingab, sondern in depressiven Ruminationen feststeckte, mich versteckte. Ich wollte gar nichts zu tun haben mit der Welt.

Wer Angst vor dem Tod hat, hat in Wirklichkeit Angst vor dem Leben.

Kinder hätte ich übrigens gar keine haben können, selbst wenn ich gewollt hätte, denn: Mit welcher Frau?

Irgendwann begriff ich, dass die Hölle und das ganze Jenseits nicht abseits der Welt liegt, sondern IN der Welt. Hier unten ist der Mensch und muss seine Probleme in Ordnung bringen. Selbst der Tod eines Menschen erlöst ihn nicht, solange die Welt nicht in Ordnung ist, ist niemand in Ordnung. Ich hoffe, ich bin jetzt nicht zu weit abgeschweift. Was ich sagen will, ist :

Seit ich mich wieder für „Verschwörungstheorien“ interessiere, kümmert mich die Welt wieder. Und seit mich die Welt wieder kümmert, bin ich eigentlich geerdeter.

 

Das Innere ist das Reale

Jede Überlieferung ist wahr – Ich meine dies nicht postmodern à la : Dass die Realität nur relativ ist, und jedes Hirngespinst einen wahren Kern hat. Nein: Das echte Innere ist auf eine Art sogar absoluter wahr als die äussere Welt. Was gibt es Ehrlicheres als Träume, in denen gibt es keine Hemmungen. Nur weil wir sie meist nicht deuten können, heisst das noch lange nicht, dass sie Nonsens sind.

Auch die Gesellschaft als Ganzes hat ein Kollektives Bewusstsein. Es gibt Geschichten, die kursieren, die keinen klaren Urheber haben. Mir gefallen Urbane Legenden, und ich denke, es lohnt sich, diesen nachzugehen, und zu schauen, was dahintersteckt, weil sie meist auf eine Art „wahr“ sind.

Kritische Zungen werden mich jetzt auf jüdische Ritualmordlegenden aufmerksam machen.

Genau DARUM muss man den Legenden nachgehen, weil sie derart wirkmächtig sein können, dass sie auch viel anrichten können. Die Ursache der Ritualmordlegenden war zweifellos eine Art soziale Spannung, die man rechtzeitig hätte abbauen müssen.

Skeptizismus behalten ist wichtig. Man muss sich immer fragen: INWIEFERN ist etwas wahr.

Die Chemtrail-Theorie entstand vor dem Hintergrund eines Unbehagens gegenüber der Globalisierung. In den letzten 30 Jahren haben sich die Flugbewegungen verdoppelt. Die Flugzeuge zerzetteln die Welt, der Onkel ist in Südafrika, der Bruder in Grönland, die Freundin chillt auf den Malediven. Wir spüren, dass das nicht gut ist.

Gleichzeitig ist es ein Fakt, dass Wolken künstlich entstehen können, und der Diercke Satellitenatlas sagt, dass über manchen Gebieten zwischen 0.5 bis 1 Prozent der Wolken bereits künstlich sind, ob man es jetzt Chem- oder Contrails nennt.

Es kommt natürlich immer darauf an, ob jemand aufrichtig ist, oder ob jemand eine Verschwörungstheorie nur als Mittel zum Zweck vertritt (Selbsttäuschung). À la ich werde gekündigt, und dann sagte ich einfach: “ Die Firma gehört längst Scientology „, damit ich nicht über die wahren, komplexeren Gründe nachdenken muss.

 

Ich will Monokausalität, Polemik verhindern und probiere, für einen aufgeklärten Infokrieg einzustehen. Wir sollten nicht die Obskuranten sein, sondern die, die die Obskuranten aufdecken!

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